48 Stunden in der Hauptstadt Gran Canarias
Las Palmas lässt sich nicht zwischen Frühstück und Rückfahrt erledigen. Altstadt, Hafenviertel, Stadtstrand und Vulkanlandschaft liegen dafür zu weit auseinander – geografisch wie atmosphärisch. Unser Plan führt dich in 48 Stunden durch die Stadt, ohne dass es stressig wird.
Las Palmas de Gran Canaria / City GuideStadt · Strand · Kultur · Alltag
Der häufigste Fehler beginnt in der Reiseplanung: Las Palmas bekommt einen halben Tag. Kathedrale, Casa de Colón und Calle Triana werden abgehakt, vielleicht reicht es noch für Las Canteras. Am Abend fährt man zurück. Viel gesehen, Stadt verpasst.
Las Palmas braucht mindestens eine Nacht, besser zwei. Ihre stärksten Momente liegen zwischen den Programmpunkten: beim Wechsel von Vegueta nach Triana, am späten Nachmittag auf der Promenade oder auf dem Weg nach El Confital.
Ein Mietwagen ist für diese Route nicht nötig. Vegueta, Ciudad Jardín und Las Canteras verbinden Busse; für San Cristóbal oder späte Wege ist ein Taxi praktisch. Altstadt und Promenade erkundet man am besten zu Fuß.
Frühstück dort, wo Vegueta einkauft
Der Mercado de Vegueta ist der älteste Markt der Kanarischen Inseln. Vormittags gehören seine Hallen Obst, Gemüse, Käse, Fisch und den Einkäufen der Nachbarschaft. Das macht ihn zum besseren Einstieg als jedes Panorama. Bei einem Kaffee entdeckt man kanarische Bananen, Papayas, Gofio und die Zutaten für Mojo.
Von hier führt der Weg zur Plaza de Santa Ana. Danach stehen drei Museen zur Wahl – nicht alle auf einmal. Die Casa de Colón erschließt die atlantischen Verbindungen der Insel, das Museo Canario ihre vorspanische Bevölkerung. Das CAAM zeigt zeitgenössische Kunst mit Blick auf die Beziehungen zwischen Afrika, Europa und Amerika.
Die richtige Auswahl hängt von der eigenen Neugier ab. Um den Stadtraum zu verstehen, ist die Kombination aus Museo Canario und CAAM besonders aufschlussreich: erst die Insel vor der europäischen Eroberung, dann der Archipel als heutiger Kulturraum zwischen drei Kontinenten.
Vegueta / In Bewegung
Eine Stadt, viele Perspektiven.
Catedral de Santa Ana
Vegueta verlassen, bevor es zur Kulisse wird
Wenn Kreuzfahrtgruppen durch die Gassen ziehen, ist ein guter Zeitpunkt für den Wechsel nach Triana. Die Calle Mayor bildet die sichtbare Achse des Viertels, aber man sollte regelmäßig in die Seitenstraßen abbiegen. Rund um das Gabinete Literario, die Plaza de Cairasco und das Teatro Pérez Galdós zeigt sich das bürgerliche Las Palmas des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Zum Mittag reicht ein Marktgericht oder eine kleine Küche in Vegueta oder Triana. Rund um die Markthalle und in den Seitenstraßen finden sich Tapas und moderne kanarische Küche. Wer donnerstags unterwegs ist, prüft vorher im Veranstaltungskalender, ob eine Pinchos- oder Tapasrunde stattfindet; ältere Blogangaben sind oft überholt.
Am Nachmittag geht es per Bus oder Taxi nach Ciudad Jardín. Im Parque Doramas führen schattige Wege durch subtropische Gärten und an Brunnen vorbei. Direkt daneben liegt das Pueblo Canario, ein Ensemble im kanarischen Stil. Für das Museo Néstor vorher den aktuellen Öffnungsstatus prüfen.
Kultur / Straße / Stadt
Zwischen Altstadt und Gegenwart.
Las Palmas de Gran Canaria
Essen ohne Atlantikfolklore
Las Palmas besitzt eine überraschend internationale Gastronomie. Für den ersten Abend lohnt der Blick in die Viertel rund um Puerto, La Isleta und Santa Catalina. Kanarische, koreanische und weitere Küchen spiegeln Hafen, Fischereiflotte und Einwanderungsgeschichte.
Für kanarisches Essen bieten kurze Karten, Tagesfisch und Inselprodukte gute Anhaltspunkte: Käse, Gofio, Papas arrugadas und Mojo. In Vegueta und Triana ist die Auswahl urbaner, in den Hafenvierteln oft bodenständiger. Aktuelle Öffnungstage am besten kurz vorher prüfen.
Queer, gemischt oder einfach noch nicht müde
Für einen queeren Abend lohnt die Gegend zwischen Santa Catalina, Calle General Vives und Las Canteras. Tardeo, DJ-Abende, Themenveranstaltungen und Shows wechseln sich ab. Die Szene ist überschaubar; aktuelle Veranstaltungskalender oder lokale Kanäle ersparen unnötige Wege.
Wer ohne festes Label loszieht, entscheidet nach Viertel. In Vegueta konzentriert sich der Abend auf die Calle Mendizábal und ihre Seitenstraßen. In Guanarteme trifft man sich rund um die Plazoleta de Farray; an der Promenade von Las Canteras liegen weitere Bars und Terrassen. Mehrere Ausgehviertel, jedes mit eigenem Tempo.
Und morgen? Eine andere Stadt.
Las Canteras vor dem Strandtag
Am zweiten Morgen beginnt die Stadt an der Playa de Las Canteras. Jetzt ist die Promenade Laufstrecke, Arbeitsweg und Treffpunkt. Die Route startet bei La Puntilla und folgt dem Strand Richtung Guanarteme. In den geschützteren Bereichen liegen Schwimmer im Wasser, weiter südlich bestimmen Boards und Neoprenanzüge das Bild. La Cícer gehört den Surfern; am Ende setzt das Auditorio Alfredo Kraus einen wuchtigen Punkt aus Stein über den Atlantik.
Für Frühstück oder Kaffee lohnt ein Abstecher in die Straßen hinter der Promenade von Guanarteme. Zwischen ehemaligen Werkstätten, Cafés, kleinen Läden und Coworking-Orten zeigt sich die Nachbarschaft abseits des Strandes. Hier wird weiter ganz normal Stadt gelebt.
Wer klassisch einkaufen möchte, besucht den Mercado Central. In den umliegenden Straßen liegen Buchhandlungen, kleine Geschäfte und Cafés für die Nachbarschaft. Auch ohne konkrete Lieblingsadresse funktioniert der Abstecher: Dieser Teil der Stadt lebt nicht vom Ferienpublikum.
Hinter La Puntilla endet der bequeme Teil
Nach dem Mittagessen geht es zurück in den Norden von Las Canteras. Hinter La Puntilla führt ein Küstenweg zunächst zum Parque de Pepe el Limpiabotas. Der kleine Platz wird in vielen Reiseführern übergangen, bietet aber einen guten Blick auf die Brandung und einen sinnvollen Halt vor El Confital.
Danach ändert sich der Untergrund. El Confital ist geschützt, vulkanisch und deutlich rauer als Las Canteras. Es gibt wenig Schatten und keine Promenade mit Wasserständen oder Cafés. Für den Weg zu den Aussichtspunkten gehören deshalb feste Schuhe, Sonnenschutz und ausreichend Wasser in den Rucksack. Die See kann gefährlich werden; beobachten ist häufig die bessere Idee als schwimmen.
Wer noch Energie hat, steigt Richtung Mirador de la Cruz oder zu den Aussichtspunkten von Las Coloradas auf. Von oben liegen der Hafen und Las Canteras gleichzeitig im Blick. Erst hier wird sichtbar, wie schmal die Stadt zwischen ihren beiden Küsten wird.
Atlantik / Panorama
Hinter der Stadt wird die Küste rauer.
Inselperspektive / Gran Canaria
La Puntilla → El Confital
Feste Schuhe · Sonnenschutz · Wasser
Fisch in San Cristóbal oder zurück an die Promenade
Für den letzten Abend gibt es zwei gute Richtungen. Die bequeme Variante bleibt an Las Canteras und endet mit einem Essen nahe La Puntilla. Die interessantere braucht ein Taxi oder eine Busfahrt nach San Cristóbal, südlich der Altstadt. Das ehemalige Fischerviertel liegt direkt an der Küste, mit niedrigen Häusern, einer kleinen Badebucht und Restaurants, die ihren Blick nicht erst für Gäste erfinden mussten.
Die Küchen des Viertels sind eng mit Fischfang und Meer verbunden. Wichtiger als eine einzelne Adresse ist der Ortswechsel. Nach Vegueta, Triana, Las Canteras und El Confital zeigt San Cristóbal eine weitere Version der Hauptstadt, fern der großen Sehenswürdigkeiten.
Nach 48 Stunden ist die Liste nicht abgearbeitet. Im CAAM wartet eine andere Ausstellung, in der Markthalle noch ein Stand und hinter La Puntilla noch eine Abzweigung. Las Palmas lässt sich eben nicht erledigen. Genau deshalb lohnt sich die zweite Nacht – und irgendwann die nächste Reise.
Nach 48 Stunden ist die Liste nicht abgearbeitet. Im CAAM wartet eine andere Ausstellung, in der Markthalle noch ein Stand und hinter La Puntilla noch eine Abzweigung. Las Palmas lässt sich eben nicht erledigen. Genau deshalb lohnt sich die zweite Nacht – und irgendwann die nächste Reise.



